Honigbienen verlieren durch Insektizide und Unkrautvernichter Geschmackssinn

  • Veröffentlicht am: 11.06.2018
Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist weltweit sehr beliebt. Foto: Niels Gründel

Der Grünen Revolution wird zugeschrieben, eine Milliarde Menschenleben zu retten, weil Nutzpflanzen mit Pestiziden und Unkrautvernichtungsmitteln besprüht werden. Inzwischen wird immer offensichtlicher, dass diese vermeintliche Innovation zunehmend widersprüchlich ist: Die Insekten, die für die Bestäubung eines Drittels der weltweiten Nutzpflanzen notwendig sind, fallen den zum Schutz der Kulturpflanzen ausgebrachten Chemikalien als Kollateralschäden zum Opfer. Und Honigbienen sind dabei keine Ausnahme.

„Honigbienen sind in Agrarökosystemen sehr wichtig geworden. Daher ist es notwendig, die Wirkung von Pestiziden auf Bestäuber zu bewerten“, sagt Carolina Mengoni Goñalons von der Universität Buenos Aires. Zurückkehrende Sammlerinnen bei den Honigbienen sind jedoch nicht die einzigen Mitglieder des Bienenvolkes, die diesen Giftstoffen ausgesetzt sind. Schon die frisch geschlüpften Bienen ernähren sich von den eingetragenen Vorräten, die Pestizidrückstände enthalten.

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler Carolina Mengoni Goñalons und Walter Farina die lebenslangen Auswirkungen einer frühzeitigen Exposition von Insektiziden und Unkrautbekämpfungsmitteln auf die Fähigkeit der Arbeiterinnen untersucht, auf Süßes zu reagieren, einem Schlüsselfaktor der späteren Nahrungssuche. Bei ihren Untersuchungen zeigte sich, dass Bienen, die Insektiziden und Unkrautvernichtungsmitteln ausgesetzt waren, teilweise ihren Geschmackssinn verloren und es für sie schwierig war, Nahrungsquellen zu erlernen. Im Ergebnis kann dies zu einer Gefährdung des gesamten Volkes führen.

Die Wissenschaftler haben das Neonicotinoid Imidacloprid und das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat bei Arbeiterinnen getestet. Junge Bienen wurden direkt nach dem Schlupf mit Imidacloprid oder Glyphosat oder einer Kombination der beiden gefüttert. Die Konzentrationen wurden so gewählt, wie die Insekten sie auch in freier Wildbahn finden würden. Als die Bienen fünf, neun und 14 Tage alt waren, wurde sowohl ihr Geschmackssinn als auch die Fähigkeit des Lernens getestet.

In den Experimenten mussten die Tiere Zuckerlösungen mit starker Verdünnung von 0,1 %igem Anteil bis zu sirupartiger 50 % iger Lösung erkennen. Während Bienen, ohne vorhergehenden Kontakt zu Insektiziden oder Unkrautvernichtungsmitteln 10 %ige Zuckerlösungen problemlos schmecken können, wird der Geschmackssinn der Bienen durch Imidacloprid und Glyphosat jeweils dramatisch verringert. Die Insekten reagierten nur auf 30 % ige Zuckerlösungen. Werden Imidacloprid und Glyphosat in Kombination verabreicht, führt zu keiner weiteren Verschlechterung der Empfindlichkeit.

Wie wird aber nun die Lernfähigkeit der Bienen genau durch die Chemikalien beeinträchtigt? Die Bienen wurden im Alter von fünf, neun und 14 Tagen darauf trainiert, ihre Zunge herauszustrecken, sobald sie den süßen Duft von 1-Hexanol rochen. Bienen, die zuvor das Insektizid konsumiert hatten, waren dazu selbst im Alter von fünf Tagen nicht in der Lage, den Geruch später sicher zu erkennen. Bienen, die jedoch beide Agrochemikalien konsumiert hatten, waren dazu erstaunlicherweise imstande, ihren neuen Trick zu erlernen.
Sollten die Bienen nach ihrem Training zwischen zwei Gerüchen unterscheiden – süß riechendem 1-Hexanol und fruchtigem Nonanal – kämpften die fünf und neun Tage alten Bienen, die zuvor mit dem Insektizid gefüttert worden waren, zwischen beiden zu unterscheiden.

Honigbienen können bereits von Pestiziden betroffen sein, bevor sie den Bienenstock verlassen und sogar Herbizide, die nicht gegen Insekten gerichtet sind, können deren sensorische und kognitive Fähigkeiten beeinträchtigen. Walter Farina warnt: „Bienenvölker, deren Arbeiterinnen die Süße ihrer Nahrung nicht schmecken oder nicht zwischen Düften unterscheiden können, verschlechtert die Effizienz des Bienenvolkes insgesamt und verringert wahrscheinlich ebenso die Effizienz der Bestäubung und der Honigproduktion.“

Literaturstelle: 

Mengoni Goñalons, C. and Farina, W. M. (2018). Impaired associative learning after chronic exposure to pesticides in young adult honey bees. J. Exp. Biol. 221, doi:10.1242/jeb.176644.

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