Im Gehirn von Killerbienen

  • Veröffentlicht am: 19.06.2018
Afrikanisierte Honigbienen werden von Raul Rivera, Jesus Maldonado und William Wilson (v. l. n. r.) mithilfe eines speziellen Gerätes für Untersuchungen eingesammelt , Foto: Scott Bauer/USDA Agricultural Research Service, Bugwood.org, CC-BY 3.0

Afrikanisierte Honigbienen, gerne auch als „Killerbienen“ bezeichnet, sind erheblich aggressiver als die Westliche Honigbiene. Forscher haben nun Neuropeptid-Veränderungen untersucht, die beim aggressiven Verhalten in den Gehirnen der Afrikanisierten Honigbienen auftreten. Werden sanftmütigen Honigbienen bestimmte Peptide injiziert, so zeigen auch sie aggressive Verhaltensweisen.

In den 1950er Jahren züchteten Forscher in Brasilien die hybride Afrikanisierte Honigbiene, indem sie Europäische Honigbienen wie Apis mellifera ligustica und Apis mellifera iberiensis mit der afrikanischen Unterart Apis mellifera scutellata kreuzten, ganz in der Tradition von Bruder Adam, der aus Apis mellifera ligustica und Apis mellifera mellifera die hybride Buckfast-Biene schuf.
Im Jahr 1957 wurden Bienenschwärme der Afrikanisierten Honigbiene freigesetzt, und seitdem haben sie sich fast über den gesamten amerikanischen Kontinent ausgebreitet. Bis heute ist nicht bekannt, was diese Bienen so aggressiv macht. Vermutet wird ein komplexes Zusammenspiel genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren, die von Neuropeptiden reguliert werden. Mario Sergio Palma und seine Kollegen der Universität São Paulo haben daher Neuropeptid-Unterschiede zwischen den Gehirnen von Bienen untersuchen, die sowohl aggressives als auch nicht aggressives Verhalten zeigen.

Die Forscher stimulierten im Rahmen ihrer Studie Afrikanisierte Honigbienen zum Angriff, indem sie vor ihren Kolonien kugelförmige, schwarze Lederziele aufhingen. Wütende Wächterbienen griffen die Ziele schnell an und stachen sich mit ihren Stacheln im Leder fest. Während dessen hielten sich sanftere Bienen auf Distanz. Die Forscher sammelten beide Gruppen ein und analysierten ihre Gehirne durch eine bildgebende Massenspektrometrie. In den Gehirnen aggressiver Bienen wurden zwei längere Neuropeptide in kürzere gespalten, was bei den sanftmütigeren Bienen nicht der Fall war. Die Forscher injizierten dann die kürzeren Peptide in anästhesierte, nicht aggressive Bienen, die nach dem Aufwachen ein aggressives Verhalten zeigten. Die Studie liefert neue Einblicke in die neurologischen Grundlagen für das aggressive Verhalten von Honigbienen.

Literaturstelle: 

Marcel Pratavieira, Anally Ribeiro da Silva Menegasso, Franciele Grego Esteves, Kenny Umino Sato, Osmar Malaspina, Mario Sergio Palma. MALDI Imaging Analysis of Neuropeptides in Africanized Honeybee (Apis mellifera) Brain: Effect of Aggressiveness. Journal of Proteome Research, 2018; DOI: 10.1021/acs.jproteome.8b00098

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