Warum sind Bienen solche Naschkatzen?

  • Veröffentlicht am: 17.07.2018
Ackerhummel bei der Arbeit. Foto: Seaq68/Pixabay, CC0 Creative Commons

Wissenschaftler haben entdeckt, warum Bienen lange auf einer Blume verweilen und sie um ihren Nektar erleichtern: Sie besitzen spezielle Zucker-erkennende Geschmacksneuronen, die dafür sorgen, dass das positive Empfinden für den Nektar möglichst lange anhält.

Wissenschaftler haben in einer Studie festgestellt, dass die Geschmacksneuronen der Bienen auf ihrer Zunge intensive Signale für bis zu zehn Sekunden abfeuern – viel länger als die Geschmacksneuronen anderer Insekten.

Bienen besuchen Blumen, um Nektar zu erhalten, der ihre Flügel antreibt und Nahrung für das eigene Volk bedeutet. Bienen können Nektar auf ihrem Rüssel schmecken; sobald sie in Kontakt mit zuckerhaltiger Nahrung kommen, werden Geschmacksneuronen auf der Zunge aktiviert, die das Vorhandensein von Nahrung signalisieren.

Solange die Neuronen intensive Aktivität anzeigen, verweilt die Biene an der gleichen Zuckerquelle. Wenn das Signal abfällt, entfernt die Biene ihren Rüssel, damit sie eine weitere Futterquelle ansteuern kann.

„Wir haben bei Bienen nachgewiesen, dass der erste Geschmackseindruck von etwas Süßem wie einem menschlichen Lutscher unglaublich intensiv ist, aber dann weniger interessant wird. Das ist bei uns so, damit die sensorischen Neuronen nicht überlasten und ausbrennen“, erläutert Professorin Geraldine Wright von der Newcastle Universität. „Wir haben bei den Bienen entdeckt, dass die anfängliche intensive Süße von Zucker bis zu zehn Sekunden anhalten kann – so bleiben sie bei der gleichen Zuckerquelle. Das macht Sinn, wenn man bedenkt, dass eine Arbeiterin nicht nur für den eigenen Gebrauch sammelt, sondern auch für andere Bienen im Volk. Es bedeutet auch, dass die Biene aus einer einmal aufgesuchten Blüte den ganzen Nektar trinkt, bevor ihn andere Bienen sammeln können.“

Das Forscherteam fand heraus, dass die Bienen über zwei Geschmacksneuronen in jeder Geschmacksknospe verfügen, die miteinander interagieren, was die anhaltende, intensive Zuckerneuronenaktivität ermöglicht.

„Andere Insekten haben eine Art von Geschmacksneuronen, die durch Zucker aktiviert wird. Wir haben jedoch herausgefunden, dass Bienen zwei verschiedene Arten von Zucker-aktivierten Neuronen haben“, erklärt Studienautor Dr. Ashwin Miriyala. „Das erste Neuron zeigt eine intensive Aktivität, sobald es mit Zucker in Kontakt kommt. Das zweite Neuron hemmt intermittierend die Aktivität des ersten Neurons für kurze Zeit. Diese Hemmung ermöglicht dem ersten Neuron eine Art Ruhezeit, so dass es sich erholen und insgesamt für eine längere Zeitspanne aktiv sein kann. Unsere Daten zeigen, dass die Wechselwirkung zwischen diesen beiden Zuckerneuronen das Ergebnis von elektrischen Verbindungen zwischen ihnen ist. Dies ist der erste Beweis für diese Art von Verbindung in einem Insektengeschmacksneuron.“

Das Team der Wissenschaftler will in einer weiteren Studie untersuchen, wieso der Geschmackssinn der Bienen für Süßes durch Pestizide gestört wird.

Literaturstelle: 

Ashwin Miriyala, Sébastien Kessler, F. Claire Rind, Geraldine A. Wright. Burst Firing in Bee Gustatory Neurons Prevents Adaptation. Current Biology, 2018; DOI: 10.1016/j.cub.2018.03.070

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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