High-Tech-Bienenstock

  • Veröffentlicht am: 24.04.2019
Bienen als moderne Nutztiere mit Elektronik im Bau. Foto: Massimiliano Latella/Unsplash, CC0 Creative Commons

Seit Millionen von Jahren kommen Honigbienen allein in ihrer Umwelt zurecht. Weil sie (in vielen Ländern) als wertvolle Nutztiere gelten und sie gleichwohl durch menschliche Einflüsse immer wieder unter Druck geraten, sollen nun auch sie ein smartes Zuhause erhalten und sich immer weniger auf ihre natürlich Instinkte verlassen müssen, die in der von Menschen veränderten Umwelt durchaus schon mal versagen können.

Bienen sollen daher frühzeitig vor Gefahren in ihrer Umgebung gewarnt werden. Sie erhalten Informationen über einen bevorstehenden Wetterumschwung, der ihre Brut gefährden würde. Und sie werden ganz gezielt zu Blüten gelenkt, um die für Menschen so wichtige Bestäubung zu übernehmen. Nicht zu vergessen: Sie sollen vor Pestiziden gewarnt werden, die der Mensch zuvor in der Umwelt ausgebracht hat.

Ein internationales Forschungsteam will eine „Smart City“ für Honigbienen entwickeln, um die Insekten bei der Bewältigung nachteiliger Umwelteinflüsse zu unterstützen. Das EU-Projekt HIVEOPOLIS (Bienenstadt) mit einem Volumen von sieben Millionen Euro ist kürzlich gestartet und auf fünf Jahre angesetzt.
Die Universität Graz entwickelt die Bienenstadt zusammen mit der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, der Freien Universität Brüssel, der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität Berlin, der Lettischen landwirtschaftlichen Universität und dem bulgarischen Unternehmen Bee Smart Technologies. Weitere Interessengruppen sollen in die Forschung eingebunden werden und bei der Entwicklung eines smarten Bienenstocks mitarbeiten.

Wissenschaftler wollen bereits vorhandene und neue Technik in den Bienenstock integrieren. „Unser Ziel ist es, den Insekten Technologien zur Verfügung zu stellen, die ihnen helfen, auf Veränderungen der Umwelt rechtzeitig zu reagieren“, erklärt Thomas Schmickl, Professor für Zoologie an der Universität Graz.
Mit Hilfe von Sensoren soll etwa die Temperatur in der Wabe reguliert und damit die Aufzucht der Nachkommen optimiert werden. Digitale Landkarten sollen Hinweise auf Pestizide bei potenziellen Nahrungsquellen liefern und eine Warnung an den Stock senden. Roboter werden den Bienentanz imitieren und so das Bienenvolk benachrichtigen. „Wir wollen darauf Einfluss nehmen, wohin die Insekten ihre Bestäubungsflüge machen“, schildert Thomas Schmickl.
Insgesamt klingen die Überlegungen so, als ob technisch optimierte Betriebsweisen anderer landwirtschaftlicher Nutztiere – insbesondere Hühner und Schweine – nun auch bei den Honigbienen Einzug erhalten sollen. Das kleinste menschliche Nutztier ist eben auch sein wichtigstes Nutztier.

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