Kognitive Leistung von Insekten in freier Wildbahn

  • Veröffentlicht am: 04.03.2019
Gartehummeln und Honigbienen bei der gemeinsamen Futteraufnahme. Foto: Niels Gründel

Das Verständnis der Wahrnehmung und des Lernverhaltens von Tieren und wie sie sich an etwa erinnern können, ist entscheidend dafür, wie Wahrnehmungen auf die natürliche Selektion einwirken und wie sich ökologische Faktoren auf das Verhalten auswirken. Die Mehrzahl der Studien zur Wahrnehmung werden anhand von Tieren in Gefangenschaft untersucht – in Laboratorien. Der Vorteil dabei ist eine kontrollierte Umgebung für genaue Messdaten. Allerdings könnte dies zu einer Verfälschung führen, da sich Lernleistungen in einer natürlichen Umgebung mit unterschiedlichen Störfaktoren ganz anders entwickeln könnten.

Wildbienen bieten ein hilfreiches System, um die Kognitive Ökologie und die Vergleichende Ökologie zu untersuchen: Sie umfassen weltweit mehr als 20.000 Arten, bei denen sich zahlreiche Merkmale voneinander unterscheiden. Die begrenzte Anzahl von Protokollen, die gegenwärtig für die Untersuchung von Insekten verfügbar sind, hat jedoch die Forschung auf einige im Handel erhältliche Bienenarten beschränkt, und fast ausschließlich unter Laborbedingungen.

Im Rahmen einer Studienarbeit haben Forscher nun ein Protokoll namens „Free-Moving Proboscis Extension Response“, kurz FMPER, entwickelt, mit dessen Hilfe die Farbpräferenzen der Wildbienen, das Lernverhalten und das Gedächtnis gemessen werden können.

Gestartet hat die Arbeit der Wissenschaftler mit gezüchteten Gemeinen Östlichen Hummeln Bombus impatiens, um festzustellen, dass FMPER die Ergebnisse liefert, die mit der Lerntheorie übereinstimmen. Im Anschluss wurden dann sowohl Honigbienen Apis mellifera im Labor und Gelbmasken-Hummeln Bombus vosnesenskii an Standorten im Feld getestet – in beiden Fällen positiv.

Die Methode ist einfach zu implementieren, kostengünstig und kann leicht an andere bestäubende Insekten angepasst werden, sind die Wissenschaftler überzeugt. Sie glauben, dass sie für eine breite Palette von Evolutionsbiologen, Verhaltensökologen und Bestäubungsökologen nützlich sein könnte, die daran interessiert sind, die kognitive Leistung von Insekten in freier Wildbahn und über ein breiteres Spektrum von Arten zu messen.

Literaturstelle: 

Muth F, Cooper TR, Bonilla RF, Leonard AS. A novel protocol for studying bee cognition in the wild. Methods Ecol Evol. 2017;00:1–10. https://doi.org/10.1111/2041-210X.12852

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