Gegenmittel gegen tödliche Pestizide

  • Veröffentlicht am: 17.08.2026

Über die Nahrung können gezielt Hydrogel-Mikropartikel verabreicht werden, die Neonicotinoid an sich binden. Foto: Jkehoe_Photos/Flickr, CC BY-ND 2.0

Ein Team von Wissenschaftlern hat in einer Studienarbeit ein „Proof of concept“ erbracht, dass es für Bienen prinzipiell ein Gegenmittel gegen Pestizide gibt.

Im Mittelpunkt der Studie standen Gemeine Östliche Hummeln Bombus impatiens, denen mit einer Zuckerlösung winzige Mikropartikel als Nahrung verabreicht wurden. An die winzigen, im Durchmesser lediglich 5 Mikrometer großen Hydrogel-Mikropartikel binden sich physisch Neonicotinoide. In dieser Form passieren die Pestizid und Mikropartikel den Verdauungstrakt der Hummeln und werden zusammen ausgeschieden.

„Bienen sind für die Bestäubung von Nutzpflanzen, die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelsicherheit von entscheidender Bedeutung. Daher ist es wichtig, dass die Menschen die Gesundheit der Bienen ernst nehmen“, so Studienautorin Julia Caserto von der Cornell University in Ithaca.

Die vollständige Beseitigung von Pestiziden wäre das optimale Ziel, ist aber wahrscheinlich nicht ganz realistisch, so Julia Caserto: „Wir wollen versuchen, die Pestizidbelastungen bei kontrollierbaren Bienen zu überwinden, damit wir weiterhin ausreichend Nutzpflanzen bestäubt bekommen, sodass wir alle nachhaltig leben können.“

Neonicotinoide werden von Pflanzen aufgenommen und gelangen auch in Pollen und Nektar. Wenn Bienen Nektar sammeln, können sie dem Pestizid ausgesetzt werden, das speziell auf Insektenrezeptoren abzielt. Soziallebende Bienen bringen kontaminierten Pollen zurück in ihre Völker. In subletalen Dosen beeinflussen Neonicotinoide die Mitochondrien von Bienen, die Zellorganellen, in denen Energie produziert wird, und können die Energieübertragung von Bienen beeinträchtigen, was zu Bewegungs- und Flughemmungen führt. Sie beeinträchtigen auch die Immunität von Bienen und machen sie anfälliger für Milben und Viren.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Arbeiterinnen der Hummeln, denen tödliche Neonicotinoid-Dosen verabreicht wurden, eine um 30 % höhere Überlebensrate hatten als Artgenossinnen, die das Gegenmittel nicht erhielten. Die Forscher stellten auch fest, dass die Mikropartikelbehandlung nach einer subletalen Dosis die Motivation der Hummeln zum Fressen steigerte und zu einem 44-prozentigen Anstieg der Anzahl der Bienen führte, die in der Lage waren, über künstlich angelegte Wege zu laufen. Ebenso stellte das Team der Forscher mithilfe einer Hochgeschwindigkeitskamera fest, dass sich die beeinträchtigte Flügelschlagfrequenz nach einer Exposition durch die Behandlung deutlich verbesserte.

Zukünftige Forschungen müssten die Methodik an Honigbienen überprüfen, die kleiner als Hummeln sind; die Wirkung von Pestiziden und Gegenmittel könnte möglicherweise eine andere Wirkung zeigen.

Die Behandlung ist grundsätzlich auf Honigbienen in Imkerhand und kommerzielle Hummelvölker beschränkt. Ihnen könnte das Gegenmittel künftig möglicherweise zusammen mit bereits von Imkern genutzten Nahrungsergänzungsmitteln wie Futterteig oder -sirup verabreicht werden.

Literaturstelle: 

Caserto, J.S., Wright, L., Reese, C. et al. Ingestible hydrogel microparticles improve bee health after pesticide exposure. Nat Sustain (2024). https://doi.org/10.1038/s41893-024-01432-5

Der Zugang zur Studie ist beschränkt (Paywall).
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