Kleine Pessimisten
Dunkle Erdhummeln zeigten in Laboruntersuchungen Emotionen. Foto: Niels Gründel
Hummeln reagieren auf ein ungünstiges Ereignis mit einer Reaktion, die menschlichen Emotionen ähnelt. Sind sie gestresst, fallen sie häufiger pessimistisch auf: Ihre Erwartungen an eine Belohnung fallen deutlich geringer aus.
Ein Team von Forschern trainierte Hummeln darauf, eine Farbe mit etwas Gutem oder etwas Schlechtem zu assoziieren, wobei die jeweilige Farbe mit einem Ort verbunden war, an dem es eine positive oder deutlich geringere Belohnung gab. Die Hummeln lernten den Unterschied und besuchten die entsprechenden Orte, wenn ihnen die jeweilige Farbe gezeigt wurde.
Nachdem die Hummeln diese Assoziationen gelernt hatten, erlebten zwei Gruppen von ihnen einen simulierten Raubtierangriff und eine dritte Gruppe wurde keinem äußeren Stress ausgesetzt.
Es stellte sich heraus, dass die Bienen, die den Angriff erlebt hatten, viel seltener mehrdeutige Farben als Zeichen hoher Belohnungen interpretierten und als Reaktion darauf häufiger Orte mit niedriger Belohnung besuchten als die Gruppe der Kontrollhummeln.
„Unsere Studie zeigt, dass Bienen nach Stress pessimistischer sind, da ihr Verhalten darauf hindeutet, dass sie keine Belohnungen erwarten“, erklärt Dr. Vivek Nityananda von der Newcastle Universität. „Emotionen sind komplexe Zustände und beinhalten bei Menschen ein subjektives Verständnis dessen, was man fühlt. Wir werden vielleicht nie erfahren, ob Bienen etwas Ähnliches fühlen, aber dieses Forschungergebnis zeigt, dass Bienen ähnlich reagieren, wenn sie gestresst sind und pessimistische Entscheidungen treffen. Die beste Erklärung für ihr Verhalten ist, dass sie erwarten, dass hohe Belohnungen weniger wahrscheinlich sind und sie Merkmale pessimistischer Menschen aufweisen.“
Stress kann demnach Auswirkungen darauf haben, wie Bienen sich Blumen nähern und Pflanzen bestäuben. Die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass es emotionsähnliche Reaktionen bei sehr unterschiedlichen Tieren gibt - einschließlich Insekten.
„Unsere Forschung legt nahe, dass Bienen, wie andere Tiere, einschließlich Menschen, bei Stress emotionsähnliche Zustände erleben können, was sich in einer deutlichen Verschiebung hin zum Pessimismus zeigt“, so Dr. Olga Procenko, heute tätig an der Universität Birmingham. „Bei Unklarheiten erwarten gestresste Bienen eher negative Ergebnisse, ähnlich wie jemand, der das Glas als ‚halb leer‘ ansieht. Neben der Annahme, dass emotionsähnliche Zustände evolutionär konserviert sein könnten, eröffnet unsere Studie neue Möglichkeiten zum Verständnis, wie Stress die Wahrnehmung und das Verhalten von Insekten beeinflusst, was Einblicke in ihre Reaktionen auf Umweltprobleme ermöglicht und Naturschutzbemühungen unterstützen könnte.“
Vivek Nityananda fügt hinzu: „Wir müssen herausfinden, wie Bienen Belohnungen bewerten, wenn sie gestresst sind, und ob diese Zustände bei Bienen andere Eigenschaften aufweisen, die wir bei Emotionen betrachten. Wir müssen auch die beteiligten neuronalen Mechanismen untersuchen und sehen, ob Bienen in freier Wildbahn ähnliche Reaktionen zeigen.“