Begünstigt Wanderimkerei das Flügeldeformationsvirus?
Das Wandern ist für Honigbienen nicht immer von Vorteil. Foto: Jacob/Unsplash
Argentinien ist ein bedeutender Exporteur für Honig. Auf der Suche nach floralen Ressourcen und zur Maximierung der Honigproduktion ist die Wanderimkerei inzwischen die Regelbetriebsweise. In der Provinz Entre Ríos gibt es eine florale Vielfalt, die es Imkern ermöglicht, wahlweise eine Wanderimkerei oder stationäre Bewirtschaftung durchzuführen. Wanderimker in dieser Provinz beginnen und beenden die Saison mit ihren Bienenvölkern in Gebieten mit Zitrusfrüchten in Monokulturen, während die stationären Honigbienen durchgehend in Gebieten mit natürlicher Vegetation verbleiben.
Um die Auswirkungen dieser Praktiken auf Virusinfektionen zu untersuchen, hat ein Team von Wissenschaftlern das Vorhandensein, die Häufigkeit und die genetische Charakterisierung des Flügeldeformationsvirus bei Honigbienen beider Bewirtschaftungsmethoden untersucht.
Die Populationsgröße der einzelnen Kolonien wurde als Indikator für die Gesundheit des jeweiligen Bienenvolks verwendet und bei jeder Probenentnahme überwacht.
Über den Studienzeitraum zeigten die meisten Kolonien keine klinischen Anzeichen, die mit bekannten Krankheitserregern in Verbindung gebracht werden. In zwei Bienenvölkern der Wanderimker wurden zu Beginn der Saison Honigbienen mit verkrüppelten Flügeln und Varroa-Milben Varroa destructor bei Larven und Puppen festgestellt.
Bei jeder Probenentnahme wurde der Befall mit der Varroa-Milbe und das Vorhandensein des Parasiten Nosema spp. bestimmt.
In allen analysierten Proben lagen die Werte von Nosema spp. unter dem empfohlenen Behandlungsgrenzwert; die stationären Kolonien wiesen sowohl zu Beginn als auch am Ende der Saison geringere Werte von Nosema spp. auf als die Völker der Wanderimker.
Bei der Analyse der Varroa-Milbe wurde festgestellt, dass die Befallsgrade in fast allen Proben unter 3 % lagen; je zwei stationäre und zwei Wandervölker wiesen am Ende der Saison einen Befall von knapp über 3 % auf.
In den Bienenvölkern der Wanderimker war das Flügeldeformationsvirus zu Beginn der Saison im September in 86,2 % der Völker und am Ende der Saison im darauffolgenden März in 66 % nachweisbar. Bei den stationären Bienenvölkern wurde das Flügeldeformationsvirus zu Beginn in 44,11 % und am Ende der Saison in 53,12 % der Proben nachgewiesen.
Unmittelbar nach der Rückkehr aus der heimischen Flora zeigten die Völker der Wanderimker einen Rückgang der Anzahl Kolonien, die positive auf das Flügeldeformationsvirus getestet wurden.
Sämtliche analysierten Proben ergaben, das Flügeldeformationsvirus Typ DWV-A.
Die Imker aller untersuchten Bienenvölker gaben an, dass sie weder Völkerverluste noch einen Rückgang der Honigproduktion zu verzeichnen hatten.
Die Wanderimkerei erhöht grundsätzlich das Risiko der Aufnahme und Verbreitung von Krankheitserregern und Parasiten, was sich nachteilig auf die Gesundheit einer Kolonie auswirken kann, wie Alger et al. 2018 zeigten. Wanderungen mit Bienenvölkern wirkt sich negativ auf den Milbenbefall aus (Jara et al., 2021; Glenny et al., 2017). Die Ergebnisse der aktuellen Studie untermauern diese Befunde im Hinblick auf das Flügeldeformationsvirus.
Jüngste Studien aus Uruguay berichteten über die negativen Auswirkungen von Ernährungsstress auf die Stärke von Bienenkolonien. Bienenvölker, die Monokulturen ausgesetzt waren, wiesen im Vergleich zu Kolonien, deren Ernährung mit multifloralem Pollen ergänzt wurde, geringere Populationsgrößen, weniger Nachkommen und eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit auf (Branchiccela et al., 2019).
Die höchsten Viruslasten wurden im September festgestellt, bei den Honigbienen der Wanderimker. Auf Grundlage der Ergebnisse gehen die Forscher davon aus, dass der Nutzen der Wanderung in natürliche Landschaften verloren gehen kann, wenn die Bienenvölker die Saison mit der Rückwanderung in Monokulturen beenden.
Daher ist es für Imker unerlässlich, Migrationspraktiken umsichtig umzusetzen, um die Gesundheit und Vitalität ihrer Kolonien sicherzustellen.
Gonzalez, F.N., Raticelli, F., Ferrufino, C. et al. Detection and characterization of Deformed Wing Virus (DWV) in apiaries with stationary and migratory management in the province of Entre Ríos, Argentina. Sci Rep 14, 16747 (2024). https://doi.org/10.1038/s41598-024-67264-7