Unkoordinierte Handelspraktiken helfen invasiven Bienenarten

  • Veröffentlicht am: 16.03.2018
Riesenhummel Bombus dahlbomii auf einer Großblütigen Wicke Vicia grandiflora. Foto: Pablo Vial

Patagonien könnte seine einzige endemische Hummelart verlieren, weil die Politik die Einfuhr invasiver Arten massiv unterstützt. Wissenschaftler zeigen die Konsequenzen auf, die auf aktuellen Erhebungen der unkontrollierten Verbreitung importierter Hummeln basieren.

Insbesondere die Dunkle Erdhummel Bombus terrestris erweist sich als besonders erfolgreich auf dem Weg von Chile in den Süden Argentiniens und verdrängt dort endemische Arten.
Chile erlaubt offiziell die fortwährende Einfuhr von Hummeln, um landwirtschaftliche Nutzpflanzen zu bestäuben. Seit 1997 sind mehr als einer Million Hummelvölker importiert worden, allein im Jahr 2015 waren es 200.000 Kolonien.

Argentinien hat den Import nicht endemischer Arten verboten. Hummeln sind aber mobil und respektieren weder internationale, noch geografische Grenzen. Als Konsequenz haben sich gebietsfremde Arten in Chile und Argentinien verbreitet; die nächsten Ziele sind Bolivien und Peru.

Am schwersten getroffen hat der Verdrängungswettbewerb die patagonischen Riesenhummel Bombus dahlbomii, die einzige einheimische Hummel im südlichen Südamerika und eine der größten Hummeln der Welt.

„Die eingeführten Invasoren, Bombus ruderatus und besonders Bombus terrestris, sind starke Konkurrenten und verbreiten fremde Bienenkrankheiten“, so Dr. Marcelo Aizen von der Universität Nacional del Comahue. „Seit sie sich ausbreiteten, verschwand Bombus dahlbomii aus einem großen Teil von Chile und Argentinien. Der Niedergang von Bombus dahlbomii ist so stark, dass sie jetzt in Chile und international als gefährdete Spezies anerkannt ist.“

Die Forscher haben im Rahmen ihrer Studie auch negative Auswirkungen auf endemische Pflanzen und Nutzpflanzen durch die invasive Dunkle Erdhummel im Nordwesten Patagoniens dokumentiert. Um Nektar zu erhalten, schädigt die Hummel Blüten vieler Pflanzenarten beim Nektarraub, ohne die Pflanzen effektiv zu bestäuben. In der Folge führt dies auch zu einem reduzierten Nektarangebot für andere Bestäuber.

Zudem sorgt die Dunkle Erdhummel für eine vermehrte Ausbreitung invasiver Pflanzen, die mit einheimischen Arten konkurrieren. In Argentinien hat die Bestäubung durch Bombus terrestris zu einer erhöhten Samenproduktion und der Etablierung von Gewöhnlichem Besenginster Cytisus scoparius geführt, einer invasiven Pflanze mit negativen Auswirkungen.

Der ungehemmte Import invasiver Hummeln zur Bestäubung von Nutzpflanzen ist mit weit größeren Kosten für die Umwelt verbunden als man auf den ersten Blick vermutet.
Wenn man aus dem Fall der Dunklen Erdhummel eine Lehre zieht, dann sollte es vor einer politischen Entscheidung eine koordinierte Risikobewertung geben – um eine transnationale Invasion zu vermeiden.

„Ein koordinierter Ansatz wird dringend benötigt, um das Potenzial für transnationale Arteninvasionen zu reduzieren. Insbesondere müssen Richtlinien für die Einfuhr potenziell invasiver Arten regional zwischen Nachbarländern mit geeignetem Lebensraum festgelegt werden“, so Marcelo Aizen.

Eine internationale Koordination und Kooperation ist auch erforderlich, wenn es trotz bester Absichten zu transnationalen Invasionen kommt. Unilaterale Investitionen und Bemühungen werden vergeblich sein, wenn die beteiligten Länder widersprüchliche politische Ziele verfolgen.

Literaturstelle: 

Aizen MA, Smith-Ramírez C, Morales CL, et al. Coordinated species importation policies are needed to reduce serious invasions globally: The case of alien bumblebees in South America. J Appl Ecol. 2018;00:1–7. DOI: 10.1111/1365-2664.13121

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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