Soziale Immunität bei Honigbienen

  • Veröffentlicht am: 01.08.2019
Krankheitserreger werden auch durch soziale Immunität bekämpft. Foto: Oldiefan/Pixabay, CC0

Krankheitserreger werden durch individuelle angeborene Immunantworten bekämpft. Bei sozialen Organismen aber ebenso durch soziale Immunität, Verhaltensweisen, die eine Übertragung von Krankheitserregern innerhalb einer Gruppe begrenzen. Bekannt ist inzwischen ein relativ detailliertes Verständnis der Genetik und der Evolution des angeborenen Immunsystems von Tieren, über soziale Immunität dagegen ist nur wenig bekannt.

Das Hygieneverhalten der Westlichen Honigbiene Apis mellifera bietet einen guten Ausgangspunkt für die Untersuchung von Genetik und Entwicklung der sozialen Immunität bei Tieren. Das Verhalten ist auf Ebene eines Volkes vererbbar; zeigen tut es sich bei den Ammenbienen, wenn sie infizierte oder tote Brut im Volk entdecken und entfernen.

In einer Studie sequenzierten Wissenschaftler 125 haploide Genome aus zwei Völkern, die ein besonders hohes Hygieneverhalten zeigten und einem Volk, das den Normalfall in Sachen Hygiene widerspiegeln sollte. Insgesamt konnten mindestens 73 Gene identifiziert werden, die von den Forschern bis auf Weiteres mit dem hygienischem Verhalten in Verbindung gebracht werden.

Viele Gene befanden sich in zuvor entdeckten Regionen eines quantitativen Merkmals, so genannten Quantitative Trait Loci (QTLs), die mit hygienischem Verhalten in Verbindung gebracht werden. Diese Gene sind häufig an der neuronalen Entwicklung und der sensorischen Wahrnehmung bei einzelnen Insekten beteiligt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Gene, die mit dem hygienischen Verhalten in Verbindung stehen, Hinweise auf eine positive Selektion bei Honigbienen haben. Dies stützt die Hypothese, dass soziale Immunität zur Gesundheit eines Volkes beiträgt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Gene, welche die Entwicklungsneurobiologie und das Verhalten einzelner Insekten beeinflussen, möglicherweise kooptiert wurden, um einen neuen und anpassungsfähigen sozialen Immun-Phänotypen bei Honigbienen hervorzubringen.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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