Neonicotinoide führen zu frühem Tod von Arbeiterinnen und Königin

  • Veröffentlicht am: 14.01.2022

Neonicotinoide aus der Landwirtschaft sammeln sich in den Blühstreifen neben den Ackerflächen und sind daher besonders gefährlich für Bienen. Foto: Johannes Plenio/pixabay.com, CC0

Wenn Honigbienen feldrealistischen Belastungen mit Neonicotinoiden ausgesetzt werden, sterben sie früher, bestätigt eine Studie von Wissenschaftlern der kanadischen York-Universität. Der Pollen, den die Bienen in das Volk einbrachten und der mit Neonicotinoiden verunreinigt war, stammte zur Überraschung der Forscher nicht aus dem von Landwirten ausgebrachten und mit Neonicotinoiden behandelten Getreide, sondern aus den Blühpflanzen, die neben den Nutzpflanzen wuchsen.

Die Rolle der Neonicotinoide beim Sterben von Honigbienen im kanadischen Bundesstaat Ontario und anderen Teilen Nordamerikas wird kontrovers diskutiert. Einige Kritiker lasteten Studien an, negative Auswirkungen bei einzelnen Honigbienen und ganzen Völkern würden nur deshalb auftreten, weil sie unrealistisch hohen Dosen der Pestizide ausgesetzt worden waren, die in der Landwirtschaft gar nicht vorkämen – schon gar nicht über einen so langen Zeitraum.

„Die Debatte über eine feldrealistische Exposition gibt es schon lange“, so Professor Amro Zayed von der Fakultät für Naturwissenschaften an der Universität York. „Wir benötigten eine saisonübergreifende Überwachung der Neonicotinoide bei Bienenvölkern, um die typischen Expositionsszenarien zu bestimmen, die im Feld vorkommen, was wir jetzt gemacht haben.“

Das Team der Wissenschaftler studierte Honigbienenvölker aus fünf Imkereien in der Nähe von Maisfeldern, deren Saatgut mit Neonicotinoiden behandelt wurde. Zum Vergleich wurden Bienenvölker aus sechs Imkereien herangezogen, die weit entfernt von landwirtschaftlichen Nutzflächen standen. Allen Völkern wurden von Anfang Mai bis September Proben entnommen und diese auf Pestizide getestet.

„Honigbienen-Kolonien in der Nähe der Maisfelder waren Neonicotinoiden für drei bis vier Monate ausgesetzt. Das entspricht meist der aktiven Bienensaison im gemäßigten Nordamerika“, so Nadia Tsvetkov, Doktorandin an der York-Universität.

Ungeachtet dessen gehörten die ermittelten Neonicotinoid-verunreinigten Pollen, die die Honigbienen gesammelt hatten, nicht den Mais- oder auch Sojabohnenpflanzen – der zwei bedeutenden Kulturen, die mithilfe Neonicotinoid-behandeltem Saatgut in Ontario und Québec angebaut werden.

„Dies deutet darauf hin, dass Neonicotinoide, die wasserlöslich sind, von landwirtschaftlichen Flächen in die Umgebung übergehen, wo sie von anderen Pflanzen aufgenommen werden, die für Bienen sehr attraktiv sind“, erläutert Nadia Tsvetkov.

Die Forscher stellten mithilfe eines künstlichen Pollenergänzungsfutters die dauerhafte Belastung der Völker nach, indem sie der Pollenmischung das am häufigsten verwendeten Neonicotinoid in Ontario, Clothianidin, über einen Zeitraum von 12 Wochen zusetzten, wobei die Dosis fortlaufend verringert wurde, um die natürliche Dosis im Feld nachzustellen.

Die Arbeiterbienen, die dem behandelten Pollen in den ersten neun Tagen ihres Lebens ausgesetzt waren, hatten eine um 23 Prozent verringerte Lebensspanne. Kolonien, die dem behandelten Pollen ausgesetzt wurden, waren nicht mehr in der Lage, eine gesunde Königin zu erhalten, und befanden sich in einem auffallend schlechten Hygienezustand. „Wir fanden heraus, dass eine realistische Exposition mit Neonicotinoiden in der Nähe von Maisfeldern die Gesundheit der Honigbienenvölker reduziert“, fasst Nadia Tsvetkov die Ergebnisse aus Bienensicht zusammen.

Eine chronische Exposition mit Neonicotinoiden führt zu negativen Auswirkungen auf die Honigbienen; darüber hinaus haben die Forscher ebenfalls entdeckt, dass ein häufig verwendetes Fungizid mit Neonicotinoiden interagieren kann und sie noch gefährlicher machen kann.

„Die Wirkung von Neonicotinoiden auf Honigbienen verschlechtert sich weiter, wenn man dem Mix noch das Fungizid Boscalid hinzufügt“, so Professor Valérie Fournier von der Universität Laval. „Die Forscher fanden heraus, dass feldrealistische Anwendungen von Boscalid die Neonicotinoide doppelt so toxisch für Honigbienen machen können.“

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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