Behandlungszeitpunkt bestimmt Wirksamkeit

  • Veröffentlicht am: 30.10.2026

Der richtige Behandlungszeitraum hilft Honigbienen beim Überleben. Foto: Niels Gründel

Die Sterblichkeit von Honigbienen kann erheblich reduziert werden, indem sichergestellt wird, dass Behandlungen gegen die parasitäre Varroa-Milbe innerhalb bestimmter Zeiträume erfolgen, wie eine neue Studie zeigt.

Honigbienen werden regelmäßig gegen Varroa-Milben behandelt, um den Befallsgrad niedrig zu halten. Dabei kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an, um die beste mögliche Wirkung zu erreichen.

Forscher haben festgestellt, dass mehr als ein Drittel der in England und Wales befragten Imker von den empfohlenen Behandlungsrichtlinien abweichen und die Anwendungsfenster häufig verpassen.

Sie beobachteten außerdem, dass Imker, die Behandlungen gegen die Varroa-Milben zeitlich falsch umsetzten, verstärkte Kolonieverluste erlitten, wobei dieser Effekt bei einer Vielzahl von Behandlungsmethoden auftrat.

„Das wichtigste Ergebnis war hier, dass eine der Hauptursachen für das Bienensterben theoretisch recht einfach reduziert werden könnte“, erklärt Studienautor Dr. Thomas O’Shea-Wheller von der Universität Exeter. „Wir sprechen viel über den Verlust von Bienenvölkern im Zusammenhang mit neuen Krankheiten und neu auftretenden Bedrohungen, aber das ist tatsächlich etwas, das uns die ganze Zeit über vor der Nase lag.“

Die Forscher nutzten Daten von 2016 bis 2020, die von 4.339 Imkern mit insgesamt 18.700 Kolonien stammten.

Sie untersuchten die Bandbreite der von Imkern verwendeten Varroa-Behandlungen, wie sie diese Behandlungen anwendeten und welchen Einfluss sie auf das Überleben der Kolonien und den Honigertrag hatten.
Sie fanden heraus, dass sich die Verluste der Kolonien nicht nur durch die Art der Varroa-Behandlung vorhersagen ließ, sondern ebenfalls durch die Einhaltung der empfohlenen Behandlungsschemata.

„Obwohl Imker häufig gegen Varroa behandeln, verpassen viele von ihnen wichtige Zeitpunkte und erleiden daher höhere Verluste als erwartet“, so Dr. Thomas O’Shea-Wheller. Er erläutert, warum der Zeitpunkt bei der Verabreichung von Varroa-Behandlungen so wichtig ist: „Die Milbenzahlen bauen sich im Laufe der Saison in einer Art Exponentialkurve auf. Sie müssen dies zu wichtigen Zeitpunkten angehen, damit die Behandlungen wirksam sind. Wenn Sie diese verpassen und eine Behandlung zu früh oder zu spät anwenden, wird die Milbenpopulation nicht richtig unterdrückt und das Wachstum wird ungehindert weitergehen. Das Verpassen des empfohlenen Behandlungsfensters ist meiner Meinung nach die häufigste Ursache für schlechte Prognoseergebnisse und die damit verbundene Sterblichkeit von Kolonien.“

Thomas O’Shea-Wheller warnt, dass Abweichungen von den empfohlenen Behandlungsrichtlinien für Varroa auch dazu führen könnten, dass die Milben eine erhöhte Resistenz entwickeln: „Varroa ist seit einigen Jahren die Hauptursache für das Bienensterben, und es scheint, als ob wir uns in einer Art Wettrüsten befinden, da die Milben zunehmend resistent gegen Akarizide werden. Wie bei Antibiotika ist es wichtig, Varroa-Behandlungen genau nach Anweisung durchzuführen, denn ein falscher Zeitpunkt, eine Über- oder Unterdosierung können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Milben eine Resistenz entwickeln.“

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
Indexierung