Neonicotinoide reduzieren Varroa-Abwehr

  • Veröffentlicht am: 21.06.2019
Clothianidin und Varroa-Milben in Kombination setzen Honigbienen richtig zu. Foto: Niels Gründel

„Als Bienenvölker vor Jahren zusammenbrachen, stellte sich heraus, dass es nicht nur eine einzige Ursache dafür gab. Deshalb interessierte uns die Frage, ob es zwischen zwei der hauptsächlichen Stressoren bei Bienen eine Interaktion gibt: Varroa-Milben und dem neurotoxischen Insektizid Clothianidin“, so Studienautorin Nuria Morfin Ramirez von der Universität Guelph. „Dies ist die erste Studie, die die Auswirkungen auf das Putzverhalten von Bienen bewertet.“

Neonicotinoide sind die am häufigsten verwendeten Insektizide in Kanada. Sie werden als gebeiztes Raps- und Mais-Saatgut ausgebracht oder auf Obstbäume und Gemüsepflanzen gespritzt. Sie werden mit dem Zusammenbruch ganzer Honigbienen-Völker in Verbindung gebracht.

Varroa-Milben tragen ebenfalls zum Zusammenbruch von Honigbienen-Kolonien bei; auf sie werden mehr als 85 Prozent der Kolonieverluste zurückgeführt. Die Milben töten die Bienen indirekt, indem sie langsam ihr Körperfett fressen und die Milben dabei als Vektor für das Flügeldeformationsvirus dienen. Eine natürliche Verhaltensweise zum Eigenschutz der Honigbienen liegt in ihrem eigenen Pflegeverhalten, dem so genannten Grooming. Dabei entfernen die Honigbienen die Milbe vom eigenen Körper.

Die Forscher wollten wissen, ob die beiden Stressfaktoren – die Pestizid-Exposition und Varroa-Milben – zusammenwirken, und so zum Tod von Bienen beitragen.
Für ihre Studienarbeit setzten die Wissenschaftler Honigbienen dem Neonicotinoid Clothianidin aus, entweder allein oder zusammen mit Varroa-Milben. Sie experimentierten mit drei Dosen Clothianidin, die alle denen ähnelten, denen die Bienen bei der Nahrungsaufnahme von Nektar entsprechend behandelter landwirtschaftlicher Kulturpflanzen ausgesetzt werden; alle niedrig genug, um als subletal zu gelten.

„Was wir fanden, war eine komplizierte Interaktion zwischen der Milbe und dem Pestizid, die den Anteil der Bienen, die ein intensives Pflegeverhalten gegen die Varroa aufwiesen, senkte und Gene mit neurodegenerativen Prozessen in Mitleidenschaft zog“, so Nuria Morfin Ramirez.

Bienen, die mittleren Dosen des Neonicotinoids ausgesetzt waren, zeigten keine Veränderungen des Putzverhaltens. Wenn sie jedoch auch mit Varroa-Milben in Berührung kamen, verringerte sich der Anteil der Bienen mit auffälligem Putzverhalten um das 1,4-Fache – im Gegensatz zu Bienen, die nur Clothianidin ausgesetzt wurden.

Bei der niedrigsten verabreichten Dosis des Pestizids sank der Anteil der pflegenden Bienen erheblich. Bei der niedrigsten Dosis war auch ein erhöhter Grad des Flügeldeformationsvirus festzustellen – ein Effekt, der bei den höheren Dosen nicht zu sehen war.

„Diese Ergebnisse zeigten eine komplexe und nicht additive Wechselwirkung zwischen diesen beiden Stressfaktoren“, so Ernesto Guzman-Novoa von der Universität Guelph. „Diese Studie zeigt, wie wichtig es ist, Stressfaktoren zu reduzieren, denen Bienen ausgesetzt sind, um das Risiko einer Erkrankung und folglich der Sterblichkeit der Kolonien zu reduzieren.“

Literaturstelle: 

Nuria Morfin et al, Effects of sublethal doses of clothianidin and/or V. destructor on honey bee (Apis mellifera) self-grooming behavior and associated gene expression, Scientific Reports (2019). DOI: 10.1038/s41598-019-41365-0

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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