Pestizide und Bestäuber

  • Veröffentlicht am: 05.04.2019

Wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Interaktion zwischen Pestiziden und Bestäubern sind zahlreich, aber es fehlen systematische Schlussfolgerung. Dafür fordern die Wissenschaftler der nun vorgelegten Arbeit transdisziplinäre Ansätze, mit denen die sozioökonomischen, toxikologischen und ökologischen Dimensionen zusammengebracht werden. Sie präsentieren dazu einen konzeptionellen Rahmen, der eine solche Integration erleichtern soll.

Bestäuber sorgen für einen (verbesserten) Pollenaustausch zwischen Blüten bei etwa 88 % der Blütenpflanzen und sorgen so für eine bessere Frucht- und Samenproduktion (Ollerton et al., 2011). Viele Tiere können als Bestäuber fungieren, doch Bienen sind darauf spezialisiert und übernehmen daher den Großteil der Bestäubungsleistungen bei Wild- und Kulturpflanzen. Ihre große Bedeutung als Anbieter einer kostenfreien Ökosystem-Dienstleistung und als Grundpfeiler natürlicher Systeme ist nicht mehr nur Experten vorbehalten, auch die breite Öffentlichkeit ist sich ihrer Bedeutung inzwischen bewusst.

Im Fall von Insektiziden besteht ein offensichtliches Potenzial für die Schädigung von Bestäubern außerhalb des eigentlichen Zielbereichs. Doch selbst wenn Insekten nicht das Ziel von Behandlungen in der Landwirtschaft sind – bei Fungiziden oder Herbiziden – können sie sehr wohl davon beeinträchtigt werden.

In ihrer Arbeit fordern die Wissenschaftler etwa die Einbeziehung aller betroffenen Interessengruppen. So könnten wirksame Techniken zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, aber ebenso die Interessen von Imkern mit dem Wissen von Forschern in Einklang gebracht werden.

In vielen Fällen besteht jedoch ein Defizit zum Wissen über die Mehrheit der Bestäuberarten und ihre Beziehungen zu Pflanzen. Den Schlüssel zur Aufklärung der Mechanismen der Bestäuber-Pestizid-Exposition sehen die Studienautoren darin, sie nicht als einfaches Ereignis zu verstehen, sondern als komplexe Schnittmenge räumlich-zeitlicher Muster.

Ein interessanter Ansatz – von mehreren – ist der zu einer Vollkostenrechnung. Das Ziel: Die Gesamtwirkungen sollen greifbar werden. Die Entscheidung eines Landwirts, Pestizide anzuwenden und die Vorteile aus dieser Entscheidung würden gegen die Kosten abgewogen, die insgesamt entstehen und nicht nur ihm privat. Externe Effekte bleiben bisher unberücksichtigt, da sie den Landwirt nichts kosten. Negative externe Auswirkungen auf die Vielfalt der Bestäuber, die Bestäubungsdienste und die Imkerei dürften bisher nur sehr selten Berücksichtigung finden. Anreize für die Landwirte zur Einführung einer Vollkostenrechnung dürften schwierig sein, da die Überwindung der privaten Rendite eine große Hürde darstellt. Für die Gesellschaft insgesamt wäre sie aber lohnend. Und für die Bienen-Vielfalt erst recht.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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